Nachhaltige Produktion von Biomasse
Von Michael Gampe, Januar 2009
Der Klimawandel ist eines der bedeutendsten Probleme unserer Gesellschaft heute und in Zukunft. Um diesem Problemfeld effektiv zu begegnen, bedarf es neben Energieeinsparung und effektiverer Ausnutzung der Ressourcen neue Energieformen. In diesem Kontext gewinnt die Biomasse als Energiequelle immer mehr an Bedeutung. Jedoch sehen viele Umwelt- und Energieverbände sowie die Grünen neben bedeutenden Chancen auch Risiken in einer breiten Produktion von Biomasse.
Interessenkonflikte wie Nahrungsmittelproduktion versus Kraftstoffproduktion sind eine logische Folge. Dies resultiert aus der begrenzten Anbaufläche für Agrarprodukte. Des Weiteren wächst der Druck auf natürliche Ressourcen. In diesem Zusammenhang ist neben Boden, Wasser und Klima besonders die Biodiversität gefährdet.
Das Anbauspektrum für Kraftstoffpflanzen beschränkt sich meist auf die Produktion von Mais und Raps in Europa, in vielen Entwicklungsländern auf Ölpalmen. Jedoch wird die soziale, ökonomische und besonders ökologische Nachhaltigkeit nur selten berücksichtigt. Durch den hauptsächlichen Anbau von Mais und Raps, den derzeitigen Hauptlieferanten für Biokraftstoffe, werden die Böden an bestimmten Nährstoffen ausgebeutet und eine Regeneration ist häufig nur schwer möglich. Durch die ständigen Monokulturen ist ebenfalls die Bekämpfung des Schädlingsbefalls durch Fruchtfolgen nur schwer durchführbar.
Diesen Problemen kann man eventuell nur durch entsprechende Düngung bzw. Einsatz von Pestiziden entgegenwirken, was jedoch die ökologische Landwirtschaft wiederum zurückwerfen würde. Auch die Beimischungspflicht von Biokraftstoffen fördert die problematische Ausweitung von Monokulturen, da große Mineralölkonzerne eher an hohen Gewinnen als an nachhaltig angebauter Biomasse für Kraftstoffgewinnung interessiert sind. In den Gebieten des Regenwaldes, die hauptsächlich für die Produktion von Palmöl genutzt werden, findet verstärkt Bodenerosion und Verwüstung statt.
Nun stellt sich die Frage welche Möglichkeit es gibt; nachhaltig Biomasse zu produzieren, ohne die Natur und die davon abhängigen Lebewesen auszubeuten. In unseren Breitengraden muss man darauf bedacht sein, umweltschonendere Anbauvarianten im Gegensatz zu Monokulturen von Mais und Raps zu entwickeln. Nur so kann der Verarmung und Erosion unserer Böden entgegengewirkt und Nachhaltigkeit erreicht werden.
Das Verbundprojekt EVA (Entwicklung und Vergleich von optimalen Anbausystemen) versucht optimale Produktionen nachhaltiger Biomasse durch Berücksichtigung spezifischer Anbaubedingungen zu erreichen. Erste Ergebnisse zeigen, dass der Mischfruchtanbau intensiv geführter Reinsaaten noch unterlegen ist, jedoch gute Ergebnisse und fortschrittliche Entwicklungen durch besondere Berücksichtigung von Standortbedingungen erzielt wurden.
Eine Möglichkeit den Raubbau in Regenwaldregionen einzuschränken ist das Importverbot für nicht zertifizierte Biomasse. Es soll verhindert werden, dass zuviel Fläche für den Anbau von Biokraftstoffpflanzen geopfert wird. Bodenerosion und deren Folgen könnte vorgebeugt werden und den Menschen in den betroffenen Regionen bliebe genug Fläche für den Anbau von Nahrungsmitteln. Nutzung von Biomasse zur Kraftstoffgewinnung ist und bleibt ein notwendiger Gegenspieler zu Kohle- und Atomenergie. Jedoch muss es in angemessenen politischen Leitschranken und Auflagen geschehen, um die kurzsichtige Ausnutzung von Natur und Mensch zu verhindern.
