26.11.2009

Von Bananenschnaps und Glühwürmchen

Von Bärbel Höhn

Dies ist eine besondere Reise. Ich werde nicht mit hochrangigen Entscheidungsträgern reden, ich werde nicht in internationalen Hotels schlafen, ich werde nicht in großen Konferenzräumen interessante Informationen austauschen. Ich bin auf dem Weg zu meiner Familie in Uganda. Eine Frau erwartet mich, die sich, ihre drei Kinder und zwei Enkel durchbringen muss. Dazu verfügt sie über ein paar ha Land und etwas Vieh. Ihr Mann ist Polygamist und lebt mit seiner Hauptfamilie nebenan. Ich werde drei Tage und vier Nächte mit meiner Gastfamilie leben, arbeiten, kochen und viel erfahren.

Eine sehr herzliche 40 Jährige empfängt mich. Ich lerne Selbstverständlichkeiten in Frage zu stellen. Das Leben spielt sich vor allem draußen ab, denn elektrischen Strom gibt es nicht. Nachts weist Taschenlampenlicht den Weg zum sauberen Plumsklo im Bananenhain. Alles müssen wir uns vorher in der Helligkeit zurechtlegen, denn Licht wird sparsam eingesetzt. Die Sterne übrigens funkeln in dieser absoluten Dunkelheit doppelt so hell und auch die vielen Glühwürmchen machen was her.

Tagsüber lerne ich, wie kostbar Wasser ist und vor allem sauberes, trinkbares Wasser. Mit einem Fahrrad wird es mit Kanistern aus 1,5 km Entfernung herbeigebracht. Da ist jeder Tropfen kostbar.

Unser Essen bestreiten wir im Wesentlichen mit Bananen. Morgens, Mittags und Abends gibt es Kochbananen, dazu Maniok und eine schmackhafte Erdnusssause. Für mich gibt es extra die bekannten süßen Bananen, Kaffee und einen Schluck selbstgebrannten Bananenschnaps. Der haut einen um. Gewöhnlich gibt es einmal im Monat Fleisch.

Die Küche ist zum Glück außerhalb des Hauses, aber sehr gewöhnungsbedürftig. Das feuchte Holz verbreitet einen beißenden Qualm, unter dem besonders die Frauen und Kinder leiden.

Wie wichtig die Gesundheit für die Leistungsträger in einer solchen Familie ist ohne eine Kranken- und Rentenversicherung wird sofort deutlich. Der 18 jährige Sohn liegt mit einem Malariaschub im Krankenhaus. Mütter und Kinder leiden angesichts der Essenszubereitung besonders an Bronchitis und Asthma und Aids ist in dieser Region, in der 19 Jahre Krieg herrschte, ein hochaktuelles Thema.

Unsere Gastmutter ist mit ihren 40 Jahren mit ihren Kräften am Ende. Sie muss die Felder bewirtschaften, Schulgeld für zwei ihrer Kinder verdienen und die steigenden Krankenkosten aufbringen.

Hilfe bringen da vor Allem kleine, sehr praktische Investitionen, wie die Bananenschnapsdestillationsanlage, mit der unsere Gastmutter eine zusätzliche Einnahme erwirtschaften kann und der Wassertank, der das Wasser vom Dach auffängt und ihr Zeit beim Wasserholen spart.

Wichtig bei diesem Besuch war aber auch, zu erfahren, wie sich unsere europäische Lebensweise auf das Leben der Kleinbauern in Uganda auswirkt.

Auf dem Markt kamen wir an einem Stand mit seltsamen Produkten vorbei. Es wurden Fischköpfe und eine Art Rollmops angeboten. Die Erklärung ist einfach. Die Fischfilets aus dem nahe gelegenen Viktoriasee werden nach Europa verkauft, die Köpfe und die Haut der Fische, eingerollt zu Rollmops, bleibt für die heimische Bevölkerung. Während unseres Aufenthaltes in Uganda fand eine Viktoriasee Anrainerkonferenz statt, auf der sich die Minister mit der Überfischung des Sees auseinander setzten.

Auch die Milchpolitik der EU hat ihre Auswirkungen. Um die Überproduktion der Milch in Europa vom Markt zu nehmen, hat die EU Exportsubventionen eingeführt. Dadurch ist der Milchpreis in Uganda um 2/3 gesunken und zerstört nun die Existenz von Kleinbauern, die sich in diesem Bereich eine Existenz aufgebaut haben.  

 

in Unganda