12.06.2012

Untersuchung: "Kinder-Köder-Taktik" bei Lebensmitteln zur Fußball-EM

Die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen hat im Rahmen ihrer ernährungspolitischen Arbeit in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. med. Radtke (Chefarzt einer Klinik für Kinder- und Jugendmedizin in Potsdam) eine Auswertung der in den Läden als "EM-Fanprodukte" beworbenen Lebensmittel gemacht.

Ergebnis: Die als Fanprodukte beworbenen "EM"-Lebensmittel sind wahre Kalorienbomben. 75% der Produkte sind Süßwaren/Süßgetränke/Snacks, 10% Alkoholika, 5% Sonstige. Die Hersteller nutzen das Sportereignis (auch mit anderen Portionspackungen, Sondereditionen und Sammelaktionen), um den Absatz ihrer fetthaltigen und zuckerreichen Produkte zu steigern.

 

Selbstverpflichtung der Industrie wird unterlaufen

 Das Marketing der Süßwaren am Produkt richtet sich in den meisten Fällen auch bzw. ausschließlich an Kinder und widerspricht damit dem von den Herstellern unterzeichneten "EU-Pledge"- einer Selbstverpflichtung, auf Werbung zu verzichten, die an Kinder unter 12 Jahren gerichtet ist. Bärbel Höhn dazu: " Die  Kinder-Köder-Taktik wird am Produkt fortgesetzt. Wenn die freiwilligen Selbstverpflichtungen nicht greifen, brauchen wir gesetzliche Regelungen zum Schutz der Kinder vor der Werbeflut."

Dabei wird auch vor Irreführung der Verbraucher nicht zurückgeschreckt: Frühstückscerealien, die 37 g Zucker pro 100 g enthalten, werden mit einem Nationalspieler und dem Hinweis "für einen aktiven Start in den Tag" beworben. Es wird der Eindruck erweckt, das Produkt sei für die sportliche Leistung wichtig. In Wirklichkeit handelt es sich um eine Süßigkeit, die nur einen geringen Anteil der Ernährung ausmachen sollte.

 

GDA-Kennzeichnung versagt

 Am Beispiel der Fanprodukte sieht man zudem, wie die von der Industrie durchgesetzte GDA-Kennzeichnung versagt. Die Nährwertangaben auf den Verpackungen zur empfohlenen Tageszufuhr (GDA-Modell) gelten immer für Erwachsene, auch wenn das Produkt als "Kinderprodukt" beworben wird. Sie beziehen sich auf unrealistisch kleine Portionsgrößen, denn kein Kind legt nach dem Genuss nur eines Schokoladenbonbons die Tüte weg. Durch die Ablehnung der Ampel ermöglicht Aigner weiterhin die bewusste Täuschung durch die Süßwarenindustrie.