23.08.2006

Mehr Lebensqualität durch rauchfreie Räume

Seit Jahren fordern Ärzteverbände, Krankenkassen und Gesundheitspolitiker wirksame Maßnahmen zum Schutz vor dem Passivrauchen. Bisher sind alle Versuche am Widerstand der einflussreichen Tabaklobby gescheitert. Beim Schutz von Passivrauchen gehört Deutschland deshalb inzwischen zu den Schlusslichtern in Europa. Jetzt ist durch zwei parlamentarische Initiativen – einen Antrag der Grünen und einen Gruppenantrag einzelner Abgeordneter – neue Dynamik in die Debatte gekommen. Erstmals besteht nun die reale Aussicht, den gesamten öffentlichen Raum – Gebäude, Gaststätten und Verkehrsmittel – konsequent rauchfrei zu machen. Diese Chance muss die Politik mit beiden Händen ergreifen. Denn Passivrauchen ist keine hinnehmbare Unannehmlichkeit sondern eine ernste Gesundheitsgefahr.   

Jährlich 140.000 Tote

Passivrauchen macht krank. Besonders gefährdet sind Kinder, chronisch Kranke und ältere Menschen. In Innenräumen, in denen geraucht wird, liegt  die Belastung durch Feinstoffpartikel um ein Vielfaches über den für die Außenluft zugelassenen Grenzwerten. Tabakfeinstaubpartikel lagern sich an Wänden, Decken und Böden ab und werden von dort wieder abgegeben. So gefährdet "kalter" Tabakrauch die Gesundheit auch dann noch, wenn die Zigarette längst verglimmt ist.

Und die Gefährdung ist erheblich. Tabakrauch enthält über 4800 Substanzen. Mehr als 70 davon sind krebserregend oder stehen im Verdacht, es zu sein. Nach Expertenschätzungen sterben in Deutschland jährlich rund 110.000 bis 140.000 Menschen an den Folgen tabakbedingter Erkrankungen. 22 Prozent aller Sterbefälle bei Männern und 5 Prozent der Sterbefälle bei Frauen werden auf das Rauchen zurückgeführt. Tabak tötet somit weit mehr Menschen als Alkohol, Aids und Unfälle im Straßenverkehr. Die Folgekosten für das Gesundheitssystem gehen in die Milliarden.

 

Schutz der Kunden und der Belegschaft

Ziel muss es daher sein, alle öffentlichen Räume rauchfrei zu gestalten. Noch ist Rauchfreiheit in öffentlichen Gebäuden bei weitem nicht die Norm. Selbst auf den Fluren des Reichstagsgebäudes darf heute noch nach Herzenslust gepafft werden. Das muss sich ändern, nicht nur im Hohen Hause sondern auch in allen anderen öffentlichen Einrichtungen und Gebäuden.

Ebenso wichtig ist es, endlich Rauchfreiheit in der Gastronomie zu erreichen, im Interesse der Gesundheit der Kunden wie zum Schutz der Beschäftigten. Wer in einer verrauchten Gaststätte arbeitet, ist den Schadstoffen des Tabaksrauchs auf Dauer ausgesetzt. Nach Erkenntnissen der Weltgesundheitsorganisation WHO müssen Arbeitnehmer im Gaststättengewerbe mit einem um 50% erhöhten Lungenkrebsrisiko rechnen. Das ist völlig inakzeptabel. Trotzdem wehren sich führende Unionspolitiker wie Fraktionschef Kauder und CSU-Landesgruppenchef Ramsauer vehement gegen ein generelles Rauchverbot in Gaststätten. Das ist schwer zu verstehen. Schließlich haben andere Länder längst vorgemacht, wie es geht.

 

Keine Umsatzeinbußen

In Irland, dem Heimatland der Pub-Kultur, sind heute alle Kneipen und Restaurants rauchfrei. Und die Gastronomen haben keine wirtschaftlichen Einbußen zu beklagen, im Gegenteil. Das Ausgehen erfreut zunehmender Beliebtheit auch bei Kunden – allen voran Familien -, die Kneipen und Lokalen gerade wegen des blauen Dunstes bislang fern geblieben waren. Vollständige Rauchverbote für gastronomische Einrichtungen gibt es außerdem in Norwegen, Schweden, Italien, Schottland und Teilen der Schweiz. England und Belgien ziehen 2007 nach. In diese Reihe von Ländern, die den Schutz ihrer Bevölkerung vor den Gefahren des Passivrauchens ernst nimmt, sollte sich auch Deutschland sobald wie möglich einreihen.

Dabei dürfen auch die öffentlichen Verkehrsmittel nicht ausgespart bleiben. Im Flugzeug ist Rauchfreiheit längst allseits akzeptierte Realität. Warum sollte das Gleiche nicht auch für die Bahn gelten können?

Bei all dem gilt: Es geht nicht darum, das Rauchen zu verbieten. Worum es geht, ist Nichtraucher vor dem zwangsweisen Passivrauchen zu schützen. Denn wo die Gefährdung anderer beginnt, muss das Selbstbestimmungsrecht der Raucher seine Grenze finden.