Jeder fünfte Zug im Fernverkehr kommt zu spät. Das besagt die Pünktlichkeitsstatistik der Deutschen Bahn, die seit Mitte September im Internet nachlesbar ist. Der neue Infoservice ist ein Fortschritt in Sachen Kundennähe. Aber mehr Transparenz ist kein Ersatz für pünktliche Züge. Und beim Thema Verspätungen schneidet die Bahn schlecht ab, auch im Vergleich zu Nachbarländern wie Österreich und der Schweiz. Die Folge sind verpasste Anschlusszüge, langes Warten und verärgerte Fahrgäste. Besonders ärgerlich: Der Wechsel der Jahreszeiten scheint die Bahn jedes Jahr aufs Neue zu überraschen. Sommerhitze und Herbstlaub, Schnee und Winterfrost bringen eine schlechte vorbereitete Bahn immer wieder aus dem Takt. Da kann und muss die Bahn besser werden.
Gründe für das Bahnchaos sind fehlende Züge, veraltete Technik und der schlechte Zustand der Schienen. Rund 10% der ICE-Flotte können nicht regulär eingesetzt werden. Der Fahrzeugbestand reicht nicht aus, um Zugausfälle sofort auszugleichen. Das ist das Ergebnis einer verfehlten Geschäftspolitik einer Bahn AG, die bei Zügen und Schienen, Personal und Wartung spart, um milliardenschwere Investitionen in Australien, den USA oder Hongkong zu tätigen. Dafür werden Neuanschaffungen verschoben, Reserven eingespart und alte Züge nicht modernisiert. So zahlen die Bahnkunden die Zeche für die Expansionspläne der Bahnchefs.
Auch wenn es um die Fahrgastrechte geht, zeigt sich die Deutsche Bahn geizig. Eine Entschädigung gibt es erst ab einer 60 Minuten Verspätung. Inhaber von Monats- oder Jahreskarten gehen ganz leer aus. Da muss der Gesetzgeber ran und die Rechte der Fahrgäste stärken.
Trotz allem Ärger: Ich bleibe der Bahn treu. Für mich gibt es keine bequemere, entspanntere und umweltfreundlichere Art des Reisens. Ich nutze die Zeit im Zug um mich auf Termine vorzubereiten, zu lesen oder mit meinen Mitreisenden ins Gespräch zu kommen. Nur wäre es schön, wenn sich die Gespräche künftig nicht so oft um Verspätungen bei der Bahn drehen müssten!
