Zum Ergebnis der heutigen Fachanhörung des Agrarausschusses zum Thema Vogelgrippe-Impfung erklärt die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Bärbel Höhn:
Der Agrarausschuss hat sich heute mit dem Thema der vorbeugenden Vogelgrippe-Impfung beschäftigt, weil die Vogelgrippe nach Einschätzung aller Experten auch in den nächsten Jahren in Europa immer wieder auftreten wird. Die Anhörung hat bestätigt, das vorsorgliches Impfen von Geflügel gegen Vogelgrippe mit den Impfstoffen, die es heute gibt, praktikabel und Erfolg versprechend ist. Es wird deshalb Zeit, dass die Bundesregierung ihren hartnäckigen Widerstand gegen das Impfen endlich aufgibt und die vorsorgliche Impfung gegen H5N1 auch in Deutschland ermöglicht. Das wäre nicht nur ein wirksamer Beitrag im Kampf gegen das Virus, sondern auch ein Lichtblick für Tausende von Kleingeflügelhaltern und Freilandbetrieben, die durch Vogelgrippe und Stallpflicht in ihrer Existenz bedroht sind.
In den Niederlanden, Frankreich, Russland und Italien wird Geflügel schon seit längerem gegen die Vogelgrippe geimpft, ebenso in einigen Regionen Asiens. Die Erfahrungen, die dabei gemacht wurden, widerlegen die gängigen Argumente der Impfgegner:
- Die vorhandenen Impfstoffe schützen wirkungsvoll gegen eine Weiterverbreitung der Vogelgrippe. Die geimpften Tiere sind viel weniger empfänglich für das Virus und scheiden im Falle einer Infektion 99% weniger davon aus, als ungeimpfte Tiere. Die viel beschworene Gefahr einer Ausbreitung der Vogelgrippe auch in geimpften Beständen besteht daher nach Ansicht der niederländischen Behörden nicht.
- Falsch ist auch die immer wieder vorgetragene Behauptung, bei den verfügbaren Impfstoffen sei eine Unterscheidung zwischen geimpften und erkrankten Tieren nicht möglich. In den Niederlanden und Italien sind längst Testverfahren im Einsatz, die diese Unterscheidung gewährleisten (sog. DIVA-Test). Dieses Testverfahren ist nach Einschätzung der dortigen Behörden zuverlässig und in der Praxis bewährt.
- Schließlich zeigen die internationalen Erfahrungen auch, dass die Impfung logistisch möglich ist und keine untragbaren Kosten verursacht. Die Impfung kostet pro Tier je nach Gattung und Größe der zu impfenden Bestände zwischen 13 und 80 Cent. Zudem lässt sich die Vogelgrippe-Impfung mit anderen üblichen Geflügelimpfungen in einem Arbeitsvorgang verbinden. Entsprechende Kombi-Impfstoffe sind auf dem Markt.
In den Regionen Asiens, in denen geimpft wurde, sind zudem nach Aussage des niederländischen Experten Prof. Osterhaus seither keine Erkrankungen von Menschen an Vogelgrippe mehr aufgetreten.
Angesichts dieser in der Anhörung gewonnenen Erkenntnisse muss die Bundesregierung jetzt endlich handeln und das Impfen in Deutschland ermöglichen. Stattdessen will Minister Seehofer offensichtlich bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag auf die Erforschung neuer Impfstoffe warten. Dann wird es für viele in ihrer Existenz bedrohte Geflügelbetriebe und Geflügelzüchter zu spät sein.
