Das "Institut für ökologischen Landbau" an der Uni Bonn hat im Auftrag der grünen Bundestagsfraktion die Situation auf dem deutschen Markt für Biolebensmittel untersucht. Wichtige Ergebnisse:
In den letzten zehn Jahren stieg das Bio-Handelsvolumen um 127 %, der Flächenanteil des Ökologischen Landbaus dagegen nur um 47 %.
Zahlreiche Produkte, die potentiell im Inland produziert werden können, werden in einem immer größeren Ausmaß importiert. Kartoffeln, Obst und Gemüse, aber auch Schweinefleisch und Milchprodukte werden überproportional zum Umsatzwachstum aus dem europäischen Ausland für den deutschen Markt eingeführt. Der Marktanteil der Importe vieler Produktgruppen hat in den letzten Jahren zwischen 5 und 20 % zugelegt.
Viele Länder haben das Potential insbesondere des deutschen Marktes erkannt und in die Umstellung auf den Biolandbau investiert. So stiegen beispielsweise die Bio-Anbauflächen in Polen und den baltischen Ländern seit 2004 um 300 – 500 %, in Deutschland dagegen nur um 29 %. Deutschland nimmt damit im EU-Vergleich nur einen Platz im Mittelfeld ein.
Der Boom im Biosegment geht immer mehr an den hiesigen Bauern vorbei. Damit wird ein Wachstumsfeld ignoriert, in dem deutlich mehr Arbeitsplätze als in der konventionellen Landwirtschaft entstehen.
Der Ausbau des Bio-Landbaus in Deutschland stagniert und droht zu kippen. Mittlerweile gibt es bereits viele Rückumstellungen ökologisch bewirtschafteter Flächen; in Niedersachsen und Schleswig-Holstein überstieg 2010 die re-konventionalisierte Fläche die Flächengewinne des Ökologischen Landbaus. Die Bundesregierung steht nach wie vor zum Ziel, dass 20 % der landwirtschaftlichen Fläche biologisch bewirtschaftet werden soll.
Wenn jetzt nicht entschlossen gehandelt wird, ist dieses Ziel auf absehbare Zeit nicht erreichbar. Zentrale Punkte sind dabei:
- Die weitere positive Entwicklung des Ökologischen Landbaus in Deutschland kann nur durch eine institutionenübergreifende konzertierte offensive Umstellungsinitiative sichergestellt werden
- Die Bundesregierung hat bei den Verhandlungen zum Europäischen Finanzrahmen Kürzungen im Bereich der ländlichen Entwicklung (2. Säule) in Kauf genommen. In den Bundesländern kommen 15 – 20 % weniger Gelder an. Das schadet insbesondere dem Ökologischen Landbau. Die Bundesregierung sollte diese Kürzungen ausgleichen, in dem sie die Möglichkeit nutzt, 15 % der Direktzahlungen (1. Säule) in die 2. Säule umzuwidmen.
Bärbel Höhn dazu:
„Statt den Ökolandbau zu unterstützen, setzt die Bundesregierung auf den Export von Billigschnitzeln. Das rächt sich in Riesenställen, der Verunreinigung von Grundwasser und Mais-Monokulturen.
Man muss jetzt die Weichen stellen, sonst kommt der Ausbau der ökologischen Landwirtschaft in den nächsten Jahren nicht vom Fleck.
Es drohen bei den Biobauern Kürzungen auf EU-Ebene, wohingegen die industrielle Landwirtschaft fast ungeschoren davon kommen soll. Die Bundesregierung muss hier umdenken und sich stärker für den Ökolandbau einsetzen. Ansonsten stockt der Ausbau des Ökolandbaus komplett. Das geht an den Kundenwünschen vorbei, die gerne regionale Produkte kaufen.“
