Seit mehreren Monaten steigen die Gaspreise scheinbar unaufhaltsam an. Viele Gasversorger haben mehrere Preisrunden in einem Jahr zum Teil im zweistelligen Bereich durchgeführt.
Dagegen wehrt eine stetig wachsende Zahl an Gaskunden. In Ostwestfalen, Hamburg, Bremen, Oldenburger Land, Berlin und Brandenburg sind Zentren des Widerstandes, aber auch in anderen Regionen regt sich der Unmut. Bundesweit sollen bis zu 500.000 Gaskunden Widerspruch gegen die Preiserhöhungen eingelegt haben.
Der Bürgerprotest richtet sich gegen die Intransparenz und den Verdacht überhöhter Preise. Da die Preiskalkulationen dem Geschäftsgeheimnis unterliegen, ist es für die Kunden nicht nachvollziehbar, ob die Preiserhöhungen gerechtfertigt sind oder Wucher sind.
Um schnell Klarheit in der Sache zu erreichen haben sich in verschiedenen Regionen Verbraucher zu Klägergemeinschaften zusammengeschlossen. Mit Sammelklagen wollen sie selbst initiativ für mehr Transparenz und die Offenlegung der Kalkulationen streiten. Nur so kann geklärt werden, ob die Preisaufschläge in der Höhe gerechtfertigt sind.
Ich unterstütze ausdrücklich diese Bemühungen für faire Preise. Es spricht viel dafür, dass sich die Energieversorger auf Kosten der Kunden bereichern.
Fakten rund um den Gaskonflikt
Lange Vertragsfristen
Gasimporte aus dem Ausland banden die Importeure, meist die Stadtwerke, bisher dauerhaft an einen Anbieter. Das Bundeskartellamt sieht darin einen klaren Wettbewerbsnachteil. Im Gegensatz dazu beharren die Energieunternehmen auf ihren Verträgen mit den ausländischen Lieferanten, sicherten sie doch langfristig die Versorgung.
Netzgebühren
Der Wettbewerb auf dem Gasmarkt wird zum großen Teil durch die Gebühren für die Netzdurchleitung gehemmt. Fremde Anbieter müssen oftmals horrende Preise zahlen, um bestehende Strukturen anderer Netzbetreiber in Anspruch zu nehmen. Die Entgelte machen rund ein Drittel der Endpreise aus. Die Bundesnetzagentur prüft gerade eben diese Gebühren, um den Wettbewerb zu erleichtern.
Freie Anbieterwahl
Im Oktober ist es soweit: Was bei Telefon und Strom längst Realität ist, setzt sich auch im gasmarkt durch. Für den Verbraucher wird es ab Oktober attraktive Angebote geben, seinen Anbieter zu wechseln. Bundesweiter Wettbewerb bietet dem Kunden besseren und Service und niedrigere Preise.
Ölpreisbindung
In der Vergangenheit erklärten viele Gas-Anbieter ihre zum Teil drastischen Preiserhöhungen mit dem hohen Ölpreis. Doch entgegen der öffentlichen Meinung basiert diese Preisbindung nur auf einer 40 Jahre alten Branchenabsprache und nicht etwa auf gesetzlichen Regelungen. Ein förmliches Verfahren gegen dieses Wettbewerbshindernis lässt jedoch noch auf sich warten.
Verbraucherprozesse
Der mündige Verbraucher setzt sich gegen diese unlauteren Praktiken zu Wehr. In Hamburg, Bremen und Berlin zogen sie vor Gericht und erreichten, dass Anbieter höhere Preise besser begründen oder Kalkulationen offen legen müssen.
Missbrauchsverfahren
Bei den Kartellbehörden sind zahlreiche Verfahren anhängig, die sich mit dem Verdacht deutlich erhöhter Gaspreise beschäftigen. Teilerfolge gingen auf die Zugeständnisse der Anbieter zurück.
