03.08.2010

Studie: Überhöhte Strompreise

Die Stromversorger stellen laut einer Auftragsstudie der Grünen den Verbrauchern rund 1 Milliarde Euro zu viel in Rechnung. Die Preissenkungen beim Einkauf an der Leipziger Börse müssen von den Versorgern weiter gegeben werden, fordert Bärbel Höhn.

 

Wesentliche Ergebnisse der Studie:

Die Preiserhöhungen beim Strom für die Haushaltskunden in 2010 sind nicht nachvollziehbar. Preiserhöhende Faktoren werden durch ein bislang nicht weitergegebenes Preissenkungspotential kompensiert.

 

Preiserhöhungen der RWE Vertrieb AG

Die für ca. 2 Mio. Kunden zum 1.8.2010 angekündigten Preiserhöhungen in Höhe von 7,3% sind durch die dafür angegebenen Begründungen nicht gerechtfertigt. Dadurch werden ungerechtfertigte Mehrerlöse vonca. 100. Mio. EUR erzielt.

Gestiegene Beschaffungskosten als genannter Erhöhungsgrund sind nicht nachvollziehbar. Von 2009 nach 2010 wäre aufgrund der gesunkenen Börsenpreise - im Gegenteil - eine Preissenkung um knapp 1 Cent/kWh angemessen gewesen. Die zum Jahresbeginn 2010 gestiegene EEG-Umlage rechtfertigt nur eine Erhöhung um 0,7 Cent/kWh.

 

Deutschlandweite Strompreiserhöhungen für Haushaltskunden

Die vorgenommenen Strompreiserhöhungen sind auch ganz allgemein nicht gerechtfertigt. Sie sind nicht mit gestiegenen Beschaffungskosten und nur sehr begrenzt mit der gestiegenen EEG-Umlage zu begründen.

Die seit 2008 stark gesunkenen Strompreise auf der Großhandelsebene sowie auch gesunkene Brennstoffkosten sind nicht an die Haushaltskunden weitergegeben worden. Hier stiegen die Preise im Betrachtungszeitraum um über 7%, während Gewerbe- und Industriekundenpreise gesunken sind, teilweise im zweistelligen Prozentbereich. Seit 2008 bis heute sind die Preise an der Strombörse um 30 - 40% gesunken.

Durch die nicht nachvollziehbaren Preiserhöhungen zahlen die Verbraucher in diesem Jahr rund eine Milliarde EUR zuviel an die Energieversorger.

 

Resultierender Handlungsbedarf

Nach Auffassung des Unterzeichners ist der immer noch nicht ausreichende Wettbewerb als Hauptursache für unzureichende Preissenkungen anzusehen.

Erstes Ziel sollte das Aufbrechen der dominanten und marktbeherrschenden Stellung des Duopols RWE und E.ON im Erzeugungsmarkt sein.

 

Meine Meinung

Es ist nicht hinnehmbar, dass der Wettbewerb auf dem deutschen Strommarkt immer noch nicht funktioniert. Die Zeche zahlt der Verbraucher. Die Preise kennen meistens nur die Richtung nach oben – auch wenn der Strom im Großhandel billiger geworden ist. Die stark  gesunkenen Einkaufspreise an der Börse müssen endlich von den Energieversorgern an die Kunden weiter gegeben werden.

Die Wechselbereitschaft der Kunden scheint noch nicht groß genug zu sein, sonst würde die Weitergabe von Preissenkungen besser funktionieren. Gerade große Konzerne wie RWE langen jetzt noch einmal richtig zu.

Entlarvt wird auch die Begründung der Stromversorger, dass die Erneuerbaren Energien die Preistreiber beim Strom sind. Hier wird ein Deckmantel benutzt, um ungerechtfertigte Preiserhöhungen zu kaschieren.

RWE hat im Jahr 2009 exorbitante Gewinne verzeichnet. Mit der diesjährigen Preiserhöhung will man offensichtlich in die Gewinnregion jenseits von 10 Milliarden Euro pro Jahr vorstoßen. Hier kann man nur den Anbieterwechsel empfehlen. Gerade im Ruhrgebiet, dem Stammgebiet von RWE, gibt es eine Vielzahl von seriösen Anbietern mit preiswerteren Angeboten.

Dringend muss die Marktmacht von RWE und E.on gebrochen werden. Auf der Erzeugerseite haben sie quasi Monopolstellungen und können die Preisbildung beim Strom massiv beeinflussen. Hier muss der Gesetzgeber die Konzerne zum Verkauf von Kraftwerkskapazitäten anhalten. Eine Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken würde die monopolartige Stellung von RWE und E.on hingegen noch verlängern. Konsequenz: weiter steigende Preise für Verbraucher ohne gestiegene Kosten bei den Stromkonzernen.