20.10.2010

Studie: Gewinne Stromkonzerne

Auch im letzten Jahr haben die vier großen deutschen Energieversorger wieder Rekordgewinne erzielt. Solche Margen sind nur mit dem mangelnden Wettbewerb auf dem deutschen Erzeugermarkt für Strom zu erklären.

 

Zusammenfassung aus der Studie:

In der „Stromwatch 2“-Studie hatten wir darauf hingewiesen, dass die Informationspolitik der Energiekonzerne sehr zurückhaltend ist. Zwar wird auf den ersten Blick eine Fülle von Informationen bereit gestellt, und die gesetzlichen Anforderungen verlangen auch eine entsprechende Transparenz. Aber entweder werden Vorschriften geschickt ausgenutzt („befreiender Konzernabschluss“) oder Ergebnisgrößen werden in einer nicht-vergleichbaren Zusammensetzung definiert. Einem Außenstehenden ist es daher kaum möglich, die eigentlich interessanten Fragen: „Welche Marge erzielt Konzern x im Vertrieb mit Strom/Gas?“ – „Was verdient Konzern y an der Stromerzeugung in Deutschland“ zu beantworten.

In der vorliegenden Kurzstudie haben wir daher versucht, einige gleichwohl wichtige Detailfragen mit Hilfe der extern zur Verfügung stehenden Unterlagen zu klären. Die wichtigsten Ergebnisse im Einzelnen:

Insgesamt machten die drei Konzerne E.ON, RWE und EnBW im Jahr 2009 einen Gewinn von mehr als 23 Milliarden Euro , seit 2002 von über 100 Mrd. Seit dem Jahr 2002 haben sich die Gewinne vervierfacht. Und für 2010 deutet sich ein weiteres Rekordjahr an, liegt doch der Gewinn nach 2 Quartalen bereits bei rund 15 Mrd Euro.

Die Gesamtkapitalrenditen (ROCE) der drei Energiekonzerne liegen deutlich über denen der meisten anderen DAX-Unternehmen – bei deutlich geringeren Risiken. Auch die globale Finanz- und Wirtschaftskrise konnte ihren Gewinnen nur sehr wenig anhaben.

RWE hat im letzten Jahr rund doppelt so viel Kapitalrendite bei der Stromerzeugung erwirtschaftet wie die meisten anderen DAX-Konzerne in ihren Geschäftsfeldern. Zuerklären ist dies nicht mit einem Technologievorsprung oder einer besonderen unternehmerischen Leistung, sondern mit den erheblichen Windfall-Profiten insbesondere bei den CO2-Zertifikaten sowie der immer noch sehr geringen Wettbewerbsintensität im diesem Bereich.

RWE hat demnach im Jahr 2009 seinen Kunden rund 2,3 Milliarden Euro zu viel in Rechnung gestellt, wenn man eine für DAX-Unternehmen übliche Rendite auf Märkten mit einem funktionierendem Wettbewerb zugrunde legt. Mehr Wettbewerb auf dem Erzeugermarkt würde den Strompreis in Deutschland deutlich senken.

E.ON erwirtschaftet mittlerweile einen Großteil seiner Gewinne über Spekulationsgeschäfte im Derivatehandel, der in dieser Größenordnung nicht mehr allein mit Absicherungsgeschäften erklärt werden kann. Die Bundesregierung sollte hier rechtzeitig mögliche Risiken analysieren und Konsequenzen daraus zu ziehen, damit die Energiemärkte nicht zum nächsten Casino von Finanzjongleuren werden.

E.ON, RWE und EnBW weisen in ihren Geschäftsberichten aktuell Rückstellungen für Entsorgungsverpflichtungen im Zusammenhang mit der Kernenergie von rund 28 Mrd. EUR auf. Auf Grund von Bewertungsspielräumen bei den nicht vertraglichen Entsorgungsverpflichtungen ergeben sich sowohl Möglichkeiten, Gewinne in einer signifikanten Größenordnung zu verstecken, als auch erheblichen Finanzierungsspielräume und damit Ertragspotenziale, die anderen Energieunternehmen nicht zur Verfügung stehen und daher zu erheblichen Wettbewerbsvorteilen führen.

Wenn bei der Brennelementesteuer wie ursprünglich geplant die Mehreinnahmen des Bundes 2,3 Mrd. EUR betragen sollen und gleichzeitig die Gemeinden für die entgangene Gewerbesteuer kompensiert würden, müsste die Bruttobelastung eigentlich 4,1 Mrd. EUR betragen. Durch den Switch von Netto zu Brutto werden demnach die AKW-Betreiber um 1,8 Mrd. EUR entlastet.

In der Summe können die drei Energiekonzerne bei unterstellten moderat steigenden Strombörsenpreisen damit rechnen, durch eine 12jährige Laufzeitverlängerung einen gesamten (Netto-)Vorteil von über 70 Mrd. (Barwert 2010) einstreichen zu können, bei dem schon die Brennelementesteuer und die Fondseinzahlungen abgezogen sind.

 

 

Meine Meinung

zu Netto-Gewinnen Konzerne durch LZV ( = 70 Mrd €):

"So ein Geschenk dürfte in der deutschen Wirtschaftsgeschichte einmalig sein! Bezahlen tun dies Verbraucher und Unternehmen durch überhöhte Strompreise aufgrund von mangelndem Wettbewerb. Die seitens der Bundeskanzlerin versprochene hohe Abschöpfungsquote bei den Zusatzgewinnen durch eine Laufzeitverlängerung sucht man vergebens."

Zu ungerechtfertigten Gewinnen insgesamt:

"Die Kapitalrenditen bei der Stromproduktion bewegen sich in astronomischen Höhen von deutlich über 25 %. Das kann man nur mit dem mangelnden Wettbewerb erklären, der jetzt mit einer Laufzeitverlängerung der AKW's noch zementiert wird.  Mehr Wettbewerb bei der Stromerzeugung würde de facto zu niedrigeren Preisen führen.

Wenn man sich die Preisentwicklung in den letzten Jahren anschaut, dann sind nicht die Erneuerbaren verantwortlich. Ein Durchschnittshauhalt muss seit dem Jahr 2000 rund 30 € mehr für seine monatliche Stromrechnung aufbringen. In der gleichen Zeit sind die vergleichbaren Kosten für die Erneuerbaren nur um 5 € gestiegen. Die Erneuerbaren werden von den Stromkonzernen oftmals als Deckmantel für Preiserhöhungen genutzt.

E.on und Spekulation:

"E.on hat im Jahr 2009 mit rund 120 Milliarden € Gesamtvolumen an den Energiemärkten spekuliert. Die Hälfte davon entfiel auf Derivate im Strombereich und hier wurde hauptsächlich im unregulierten außerbörslichen Bereich gezockt – sozusagen im Hinterzimmer. Das Problem: E.on hat den Anreiz und die Möglichkeiten über seinen Kraftwerkspark die gewünschten Preiskorridore am Markt durch zu stoßen. Billig einkaufen und teurer verkaufen lautet die alte Spielregel . Der Gesetzgeber muss hier dringend aktiv werden, damit Marktmanipulationen ausgeschlossen werden können. E.on ist ein gebranntes Kind und musste wegen Preismanipulation schon Teile seiner Produktionsanlagen als Strafe verkaufen."