10.04.2007

Interview: Neue Kohlekraftwerke stoppen

dpa-Gespräch vom 06.04.2007

Zur Eindämmung des Klimawandels fordern die Grünen einen sofortigen Aufschub beim Bau neuer Kohlekraftwerke. Würden die von der Stromwirtschaft geplanten etwa 40 neuen Anlagen mit im Schnitt 40 Jahren Laufzeit errichtet, "wäre wirksamer Klimaschutz unmöglich", sagte die Vizevorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Bärbel Höhn, am Freitag der Nachrichtenagentur dpa. Sie reagierte damit auf den zweiten Teil des Berichts des Weltklimarates über die verheerenden Folgen der weiteren Erderwärmung durch Treibhausgase. Dieser Bericht verstärke noch einmal den Druck, wirksame Maßnahmen einzuleiten.  "In Deutschland müssen wir dabei besonders bei der Stromproduktion ansetzen, durch die mehr als 40 Prozent des nationalen Anteils an Kohlendioxid (CO2) ausgestoßen werden." Die Stromversorger wollten jedoch die Weichen in die falsche Richtung stellen, kritisierte Höhn. Würden die 40 Anlagen gebaut, gäbe es im Jahr 2050 noch einen Grundstock von Kohlekraftwerken, die jährlich mehr als 170 Millionen Tonnen CO2 ausstoßen. Dann dürfe Deutschland insgesamt aber nur noch 200 Millionen Tonnen Kohlendioxid emittieren. Beanspruche die Kohlewirtschaft bereits 170 Millionen Tonnen CO2, müssten sich Haushalte, Industrie und die übrige Stromerzeugung mit jährlich 30 Millionen Tonnen zufrieden geben. "Das ist illusorisch. Wenn wir es ernst mit dem Klimaschutz meinen, dürfen die 40 geplanten Kohlekraftwerke so nicht ans Netz." Ein Moratorium wäre auch im Interesse der Energiewirtschaft, denn sollten von 2013 an die CO2-Verschmutzungsrechte im Rahmen des Emissionshandels nicht mehr verschenkt, sondern versteigert werden, könnten die neuen Kohlekraftwerke schnell unwirtschaftlich werden. "E.ON, RWE & Co. dürften kein Interesse haben, große Investitionen in den Sand zu setzen", warnte Höhn. Außerdem sei nicht absehbar, ob sich in der Zukunft die geplante Abscheidung und Einlagerung von CO2 überhaupt verwirklichen lasse und rechne. "Diese Technik wird aber - wenn überhaupt - frühestens ab dem Jahr 2020 zur Verfügung stehen." Solange dies nicht geklärt sei, wären neue Kohlekraftwerke "ökonomischer und klimapolitischer Unsinn". Investiert werden müsse in erneuerbare Energien, Energie-Einsparmaßnahmen und in effiziente Anlagen. "Das sind vor allem Anlagen, in denen bei der Produktion nicht nur der Strom, sondern auch die Wärme genutzt wird. Wenn man Braunkohle in großen Kraftwerken verstromt, werden bei jeder Kilowattstunde rund 1150 Gramm CO2 freigesetzt. Bei einem Erdgas- Blockheizkraftwerk sind es nur 49 Gramm."