
Am 21. und 22. September war die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der grünen Bundestagsfraktion Bärbel Höhn im Wahlkreis von Uwe Kekeritz zu Gast. Die beiden MdBs absolvierten ein vielseitiges Programm quer durch Mittelfranken.
Den Auftakt bildete ein Besuch bei der Ausstellung der Mission Eine Welt „Was hat Soja mit Hunger zu tun?“ in Erlangen. Durch die Ausstellung führte der Dritte Welt Laden Erlangen. Anschließend stellte Bärbel Höhn fest: „Soja gilt vielen als besonders gutes Nahrungsmittel und wird auch als Alternative zu Tiermehl verwendet“. Dabei kritisiert Höhn, dass der weitaus überwiegende Teil der weltweiten Sojaernte gentechnisch verändert ist. Uwe Kekeritz denkt als Mitglied im Ausschuss für Entwicklung und wirtschaftliche Zusammenarbeit in Kategorien der „Einen Welt“: „Wir sind verantwortlich dafür, was wir mit unserem Lebensmittelkonsum weltweit anrichten“, so Kekeritz. Genau deswegen verweist der Abgeordnete darauf, dass der Sojaanbau in Lateinamerika zunehmend die arbeitsintensiveren Formen von Gemüse- und Obstanbau, somit Kleinbauern und Kleinbäuerinnen, verdrängt. Höhn fügt hinzu: „Da 80 % des angebauten Sojas an Tiere verfüttert wird, sind wir mit unserem ausuferndem Fleischkonsum direkt für Monokultur und Landrodung verantwortlich.“ Nach der Ausstellung ging es zum gemeinsamen Abendessen mit Erlanger Grünen und Eine-Welt-Interessierten in das Bio-Restaurant "Muskat". Dort standen die beiden für Gespräche und Fragen zur Verfügung. Neben den politischen Themen ging es auch darum, was es bedeutet "Politiker" zu sein. Bärbel Höhn beschrieb es so: "Im Bundestag ist es jetzt richtig angenehm. Ich habe nur noch eine 70-Stunden-Woche. Als Ministerin von NRW hatte ich eine 100-Stunden-Woche. Inzwischen kann ich auch mal ein Wochenende mit meiner Familie verbringen.
Am Morgen des 22.9. waren die beiden Abgeordneten dann bei der N-Ergie, den Stadtwerken Nürnberg, zu einem vertraulichen Gespräch zu Gast, um mit einem kommunalen Energieversorger den Atomkompromiss der Bundesregierung zu diskutieren. Nach dem interessanten Austausch ging es weiter nach Poppenwind in Landkreis Erlangen/Höchstadt. Dort warteten schon Elisabeth Bahr und Siegfried Liepelt vom Projekt „Karpfen Pur Natur“ , zusammen mit lokalen Grünen. „Karpfen Pur Natur“ ist ein Projekt der lokalen Bund Naturschutz-Gruppe und hat sich eine „natürliche“ Karpfenerzeugung zum Ziel gesetzt. Dabei gelten folgende Kriterien: kein Zusatz von Futtermitteln, d.h. die Karpfen ernähren sich nur von den im Teich vorhandenen Plankton, kein Zusatz von Kalk und Dünger und eine geringe Besatzdichte von 300 Fischen auf einen Hektar im Teich. In der konventionellen Karpfenhaltung kommen schon mal 800-1600 Karpfen auf einen Hektar. Der bessere Geschmack und geringe Fettanteil der so erzeugten Karpfen ruft eine wachsende Fangemeinde auf den Plan. Die beiden Abgeordneten zeigten sich beeindruckt von dem Fachwissen der Gruppe und der umgesetzten natürlichen Karpfenhaltung.
Nach einem kurzen Rundgang über die Karpfenweiher stärkten sich Uwe und Bärbel dann – natürlich! – standesgemäß bei einem Karpfenessen. Zum Abschluss von Bärbels Besuch gab es ein Pressegespräch über den Patentierungswahn von Monsanto und Gentechnik. Wie Kreisrätin Elisabeth Bahr berichtete, plant Monsanto (u.a.) die Patentierung von Fischen, die Omega 3-Fettsäuren enthalten. Damit wäre auch der Karpfen im Aischgrund und anderswo betroffen. Bärbel Höhn malte die drastischen Folgen dieser Politik aus: Bei jedem Verkauf eines Karpfens würde dann ein Aufschlag auf den Preis fällig. Das seien die Patengebühren, die dann an Monsanto fließen. Alle am Tisch waren sich einig, dass so ein wahnwitziges Vorhaben gestoppt werden müsse. „Wie kann ein Patent erteilt werden, wenn doch eigentlich nichts erfunden wurde?“, fragte sich Elisabeth Bahr. Es kam auch die Gentechnik zur Sprache. Uwe Kekeritz berichtete aus seiner Erfahrung aus dem Entwicklungshilfeausschuss, dass die USA sogar Hilfslieferungen an Katastrophenorte wie Haiti oder Tansania dazu nutzen, Gen-Getreide zu verbreiten. Immer noch seien die Langzeitwirkungen von genveränderten Organismen in Form von Antibiotika-Resistenzen oder neuen Eiweißen, die allergische Reaktionen auslösen könnten, noch nicht erforscht, so Kekeritz.